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Das lesen Sie in dem Trendletter, November 2005

Vision: Wie Deutschland im Jahr 2030 aussieht

Aus den heute 20-Jährigen rekrutiert sich die Unternehmerschaft der Zukunft. Deshalb ist die Frage interessant, welche Vorstellungen der Nachwuchs von künftigen Entwicklungen hat. Studenten der TU Chemnitz fassten das, was sie von der Welt im Jahr 2030 erwarten, in einer Studie zusammen. Die Einschätzungen sind überraschend wenig visionär – der Trendletter gibt Ihnen diese Übersicht:

So wird Bildung zum globalen Exportschlager

Zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der Zukunft legt der britische „Economist“ ein Dossier vor, Titel: „The Brains Business“. Die Grundlinie der 24-seitigen Analyse: Bildung wird kommerzialisiert, was sowohl den Kunden zum Vorteil gereicht als auch neue Chancen für Investoren und Unternehmer eröffnet. Für Trendletter-Leser hier die wichtigsten Entwicklungen:

Mit saisonalen Produkten 20 Prozent mehr erlösen

Gerolsteiner tritt die Flucht aus der Commodity-Hölle an. Sonnenvitamin und Milder Winter heißen zwei neue Sorten Mineralwasser, die seit Oktober in den Regalen stehen. Beide sind nur begrenzte Zeit in limitierter Menge zu bekommen – und werden auch mit diesen Aussagen beworben. Damit betritt die Wassermarke Neuland. Denn künstliche Produkt-Verknappung gab es bislang bei Mineralwässern nicht. Die Strategie des Abfüllers: Mit Einführung eines so genannten Seasonals will man sich der Vergleichbarkeits-Konkurrenz entziehen und zudem die bewährte Erfahrung nutzen: Mit den verknappten Produkten lassen sich Preisaufschläge bis zu 20 Prozent erzielen.

Ganz neu ist dieses Vorgehen nicht. In Zukunft aber werden mehr Unternehmen das Seasonals- Format nutzen. Denn es signalisiert dem Kunden Aktualität, Dringlichkeit und an eine Saison geknüpfte Kaufgründe. Künstliche Begrenzung finden viele Käufer faszinierend. Das Konzept lässt sich in unterschiedlichen Geschäften umsetzen:

Warum es höchste Zeit ist, für die alternde Belegschaft zu planen

Unternehmen sollten künftig einen Demography Manager einsetzen – dieser soll die besonderen Aufgaben managen, die mit der alternden Gesellschaft neu auf die Agenda kommen. Denn auf den Umbruch vorbereitet ist kaum ein Unternehmen, wie eine Studie der Zeppelin University ergab.

Budgets: Wie weniger Planung wertvolle Ressourcen freisetzt

Der Budgetprozess kostet oft zu viel Zeit. Manager und Finanzverantwortliche sitzen tage-, in manchen Unternehmen wochenlang zusammen und planen Zahlen für die Zukunft. Ändern sich dann Eckwerte wie der Dollarkurs überraschend um 10 Prozent, ist die Arbeit Makulatur.

Einige Stimmen fordern deshalb, dass für die Budgetierung künftig die Regel gelten sollte: so wenig wie möglich, so viel wie gerade nötig. Denn oft ist eine oberflächliche Schätzung, die schnell erledigt ist, genauso leistungsfähig wie das tagelange Brüten über den Zahlen hinter dem Komma.

Fallstudie: So entzieht sich Best Buy erfolgreich dem Preiskampf

Best Buy bietet einen neuen Service an. „Wir reparieren ihren Computer an jedem Ort, zu jeder Zeit, egal, wo sie ihn gekauft haben“, lautet die Botschaft des Angebots, das an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr zur Verfügung steht. Der Elektronik-Einzelhändler vermarktet seine Service-Truppe über seine 700 stationären Läden. Die mobilen Mitarbeiter sind mit Uniformen und auffälligen Fahrzeugen ausgestattet. Sie reparieren die Geräte direkt beim Kunden zum Festpreis.

Warum Sie künftig mehr in gutes Management investieren sollten

Eine Zahl, die Alarm auslösen sollte: Nur 47 Prozent der Mitarbeiter sind motiviert bei der Sache und bringen das Unternehmen weiter. Der größere Rest hat sich innerlich schon von der Arbeit verabschiedet, ermittelte eine Studie von The Executive Committee (TEC), einer internationalen Führungskräfte-Organisation. Die nötige Schlussfolgerung lautet: Unternehmen sollten mit mehr Härte an den weichen Faktoren arbeiten. Denn: Was nützen ein neues Prozessmanagement oder die neue, kostspielige Maschine, wenn Mitarbeiter das nicht unterstützen?

Auch Mittelständler lassen in Zukunft ihre Verwaltung in Indien erledigen

15 Mio. neue Arbeitskräfte kommen in Indien jedes Jahr auf den Markt. Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren andauern. Sie bildet das Potenzial für den Wettbewerbsvorteil Indiens in der Weltwirtschaft: Der Subkontinent ist die größte Back-Office-Fabrik der Welt.

So wird Supermarkt-TV zum Werbeträger von morgen

Es ist der fünftgrößte TV-Sender der USA: 110 Unternehmen schalten hier Werbung, darunter Schwergewichte wie Procter & Gamble und Unilever. Die Rede ist von Wal- Mart TV, dem hauseigenen Fernsehkanal der Supermarktkette. Ausgestrahlt wird das Programm über Bildschirme, die in den Gängen von 2.500 Filialen hängen. 122 Produkte wurden auf Wal-Mart TV im letzten Jahr vorgestellt. Die Werbepreise entsprechen denen herkömmlicher Fernsehsender.

Logistik: Diese Geschäftszweige wachsen weiter

Airbus macht es vor: Bei der Montage des neuen Super-Jumbos A380 betreibt der Flugzeughersteller erstmals kein eigenes Lager mehr. Die gesamte Versorgung mit 47.000 Einzelteilen übernimmt der Logistik-Dienstleister Stute, eine Tochter von Kühne & Nagel. Dieser so genannten Kontraktlogistik gehört die Zukunft: Immer mehr Unternehmen lagern große Teile der Wertschöpfungsketten an Logistik-Dienstleister aus. Vorteile: Die Komplexität sinkt; außerdem wird die Bilanz dadurch verkürzt, dass Dienstleister die kapitalintensive Infrastruktur wie Lagerhäuser etc. finanzieren. Erwarten Sie, dass die Logistikbranche künftig in diesen Bereichen wächst:

Mobile Health: Warum wir künftig den Arzt in der Hosentasche tragen

Gary Katz kämpft mit einem zu hohen Cholesterinspiegel. Deshalb musste der New Yorker schon einmal ein Essenstagebuch führen. In Zukunft ist das überflüssig. Katz fotografiert einfach jede Mahlzeit, mit seinem Mobiltelefon. Einmal pro Woche schickt er die Bilder an den Internetdienst My Food Phone. Hier analysiert ein Ernährungsberater die Mahlzeiten und schickt Menü-Empfehlungen zurück auf Katz‘ Handy.

Wie die Mini-Fabrik ins Wohnzimmer einzieht

Die Geschirrspülmaschine gehört bald zum Gestern. Denn in Zukunft wird im Haushalt ein Apparat gleicher Größe stehen, der viel mehr kann: Er produziert Tassen, Teller und Schüsseln für jede Mahlzeit nach Wahl – egal ob für 2 oder 12 Personen. Nach dem Essen schmilzt der Geschirrmacher die Teile wieder ein und hebt den Rohstoff bis zur nächsten Mahlzeit auf.

Neue Erfindungen gegen Energieknappheit

Spritverbrauch halbieren, Schadstoffe reduzieren – das soll ein neues Gerät leisten, das einfach nur vor den Motor eines Autos geschaltet wird. Gebaut hat den so genannten H2N-Generator ein kanadischer Erfinder. Prinzip: Das Gerät von der Größe eines DVD-Spielers enthält ein Gemisch aus destilliertem Wasser und Chemikalien. Es produziert reinen Wasserstoff, der zusammen mit dem Benzin in den Motor geleitet wird. Folgen: saubere Verbrennung und ein höherer Wirkungsgrad. Die nötige Energie zieht das Gerät aus der Autobatterie.

Lesen Sie außerdem:

  • Mit versteckter Kamera dem Kunden auf der Spur
  • Geiz macht – müde
  • Gratisproben bremsen den Verkauf
  • Medienvielfalt nicht gewünscht
  • Harte Fonds für harte Zeiten
  • Geldanlage: Leben verlängern als Geschäft
  • Zahlungsmittel: Auch die Kids zücken in Zukunft ihre Kreditkarte
  • Textil: Kunden wollen nicht nur Kleidung, sondern ein komplettes Styling kaufen
  • Uhren: Jetzt kommt die Luxus-Digitaluhr
  • Werkstoff macht Schiffe aus Stein möglich
  • Implantate helfen künftig beim Abnehmen
  • Dieses U-Boot fährt auf dem Radweg
  • Telefonzelle für Handy-Nutzer
  • Ungewöhnliche Katastrophenhilfe
  • Geschäftskontakte in 10.000 Meter Höhe
  • Wie fällt mein Rating aus?
  • Autokino – selbst gemacht
  • Pedale mit Licht
  • Lampenfarbe passt sich Krawatte an
  • Leuchtende Schriftzüge auf Felgen
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Sigurd Schmidt Sigurd Schmidt, Deutsche Bank AG, Frankfurt


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Axel Gloger
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