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 Essen der Zukunft: Das sind die 4 Megatrends für die nächsten Jahre, Teil II

Was essen wir im Jahr 2020?
Lesen Sie hier den zweiten Teil der Trendstudie des Trendletters über den Lebensmittel-Markt im Jahr 2020: die Megatrends "Light" und "Functional Food".

3. Light

Fettarm, zuckerfrei, kalorienreduziert - das bleiben auch in den kommenden Jahren Werbeargumente. "Ich achte sehr auf gesunde Ernährung", dieser Aussage stimmen 47,5 Prozent aller Konsumenten zu, und der Wert steigt unvermindert an, ermittelte die "Lebensmittelzeitung". Lassen Sie sich also nicht täuschen: Die Light-Welle ist noch lange nicht zu Ende. Schlank und sportlich auszusehen, bleibt Ziel des Life-Designs von 20 Millionen Deutschen. Neues Beispiel für den Light-Trend: Die Tiefkühlpizza Balance des Herstellers Wagner hat einen Boden aus Dinkelmehl und ist fettreduziert - die erfolgreichste Produkteinführung des Unternehmens seit Jahren.

4. Functional Food: Vom Lebens- zum Arzneimittel

Vom Brot, das gegen Osteoporose schützt, über Hühnereier gegen Herzinfarkt bis zu Cholesterin senkender Butter - die Functional-Food-Welle rollt weiter. Iss dich gesund, so lautet das Motto im Zeitalter des Life-Designs. Essen mit gesundheitlichem Zusatznutzen entwickelt sich zum Megamarkt der Zukunft. Nestlé rechnet damit, dass im Jahr 2050 rund die Hälfte aller Produkte im Supermarktregal eine Gesundheitskomponente enthält. Die Verkäufe von funktionalen Milchprodukten verdoppelt sich derzeit alle zwei Jahre.

Hauptzielgruppe der Produkte sind Menschen zwischen 50 und 75 Jahren mit hohem Gesundheitsbewusstsein und der nötigen Zahlungsbereitschaft. Der Trendletter nennt aktuelle Beispiele für Lebensmittel mit Zusatznutzen:

Gesunde Gummibärchen. Der Probiotik-Trend setzt sich fort. Erst kamen die Joghurts (Yakult, LC1), jetzt folgt das ganze Sortiment. Immer mehr Lebensmittel enthalten Milchsäurebakterien, die angeblich das Immunsystem stärken. Vor kurzem hat die Eisladen-Kette Piccoli sogar so genanntes Wellness-Eis vorgestellt, das mit den vorteilhaften Mikroorganismen versetzt ist.

Prognose des Trendletters: In Zukunft könnte fast jedes Lebensmittel die probiotischen Kulturen enthalten - von Wurst über Müsli bis hin zu Gummibärchen und Spekulatius. Möglich macht das eine neue Technologie: Dabei werden Milchsäurebakterien lebendig in eine Hülle aus Zucker eingeschlossen. Diese Kapseln können danach jedem beliebigen Lebensmittel untergemischt werden. Die baden-württembergische Firma J. Rettenmaier & Söhne hat das Verfahren entwickelt (www.jrs.de).

> Erdbeeren aus der Flasche. Trinkbares Obst gibt es demnächst in deutschen Supermärkten. Mit dem Fruit2day eröffnet der Konfitürenhersteller Schwartau eine völlig neue Produktkategorie: Das zähflüssige Getränk besteht nur aus Früchten, weder Zucker noch Wasser sind zugesetzt. Zusatznutzen: Eine Flasche enthält genau den Tagesbedarf an Obst, den Ernährungswissenschaftler empfehlen. Der Zweierpack, insgesamt 400 ml, kostet 1,69 Euro, doppelt so viel wie herkömmlicher Fruchtsaft. In den Niederlanden ist das Obst zum Trinken bereits ein Verkaufsschlager: 20 Mio. Flaschen gingen letztes Jahr über die Ladentheke (www.fruit2day.de).

> Bier aus der Apotheke. Gesteigertes Wohlbefinden, Ruhe und Entspannung - diese Nebenwirkungen verspricht der Hersteller von Karla, dem ersten Gesundheitsbier. Ab sofort ist der Gerstensaft aus der Karlsberg- Brauerei in saarländischen Apotheken zu haben. Das Bier enthält - neben den üblichen Inhaltsstoffen - zusätzlich Soja, Folsäure, Lecithin und Melisse (www.karlsberg.org/karla).

Zukunftsperspektive: Functional Food bewegt sich vom derzeitigen weichen Fokus - Verbesserung des Wohlbefindens - hin zu ernsthaften therapeutischen Anwendungen. Denkbar: Nahrungsmittel, die Krebspatienten nach einer Chemotherapie bei der Genesung helfen; Essen speziell für Aids-Kranke. Hier ist die Grenze zum so genannten Pharming - eine Mischung aus Farm und Pharma - fließend. Mittels Gentechnik werden Lebensmittel so verändert, dass sie medizinische Wirkstoffe enthalten.

Aktuelles Beispiel: US-Forscher arbeiten an einer Tomate, die einen Impfstoff gegen die Lungenkrankheit SARS enthält. Mäuse, die regelmäßig die Früchte zu sich nahmen, wurden immun gegen den die Krankheit auslösenden Virus.

Trendletter-Einschätzung: Gesundheitsförderndes Essen wird in Zukunft zum festen Bestandteil des individuellen Life-Designs - vorausgesetzt, die Industrie kann ihre Werbeversprechen wahr machen. Denn ähnlich wie bei Bio sind die positiven Wirkungen der Nahrungsmittelzusätze keineswegs bewiesen. Im Gegenteil: Für einige Konsumenten könnten bestimmte Zusätze sogar schädlich sein. Sollte es hier zu einem Unfall kommen, könnte das das Wachstum des Segments ernsthaft bremsen.
   
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