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Lesen Sie am 29.06.2010 im Werbe-& PR-Profi:
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Wie verrückt darf es denn sein?
Liebe Leserin, lieber Leser,
wie verrückt darf ein neuer Produktname eigentlich sein? Sehr verrückt. Das beweist gerade die Kalte Muschi.
Hinter dem doppeldeutigen Namen verbirgt sich ein neues Weinmixgetränk. Rotwein mit Cola, um genau zu sein. Innerhalb eines Jahres wurden 1 Million Flaschen Kalte Muschi abgefüllt und ausgetrunken. Die Hersteller des Getränks haben offenbar alles richtig gemacht, schon bei der Namensfindung.
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Viel Gewinn beim Lesen und viel Erfolg wünscht Ihnen Ihr

Bernd Röthlingshöfer, Chefredakteur "Werbe- und PR-Profi"
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Mit einem frechen Namen zum Erfolg
So wurde die Kalte Muschi zum Erfolg:
- Keine Werbung. Das Getränk wurde ohne klassische Werbung in Szenebars, Cafés und Gaststätten eingeführt.
- Mundpropaganda. Der Name spielt beim Erfolg eine wichtige Rolle. Gastronomen haben beobachtet, dass die Leute es trinken, weil sie den Namen lustig finden. Und über den Namen spricht man auch mit seinen Freunden.
- Insiderwissen. Wer weiß, wie das neue Getränk schmeckt? Noch längst nicht jeder. Deshalb können sich die ersten, die es ausprobieren mit dem Insiderwissen schmücken, es bereits probiert zu haben.
- Netzwerkeffekt. Zum Start ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem FC St. Pauli ein. Dessen Fans wurden die ersten Kalte-Muschi-Trinker. Inzwischen ist es in Hamburg zum Kultgetränk geworden und verbreitet sich weiter über Deutschland. Noch eine Gastronomenbeobachtung: Sobald ein Gast Kalte Muschi bestellt, ordern andere das gleiche Getränk.
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Ein Armaturenhersteller wird zum Facebook-Liebling: Die Duschbotschafter-Kampagne von Grohe
Armaturen? Was bitte ist das denn? Wasserhahn und Duschkopf kennen die meisten Deutschen. Aber mit dem Begriff Armaturen sind sie nicht vertraut.
Kein Wunder, denn die deutschen Markenhersteller führten lange ein Schattendasein in den abgeschotteten Bereichen des Sanitärvertriebs. Duschköpfe kaufen viele im Baumarkt oder gar beim Discounter. Dort sind die Produkte zuletzt immer billiger geworden.
Wer mit Qualität punkten und anständige Preise erzielen möchte, der muss mit Innovationen aufwarten. Zum einen was das Produkt angeht, zum anderen was die Vermarktungsmethoden angeht.
Das Produkt
Ein innovatives Produkt hatten die Armaturenhersteller von GROHE auf jeden Fall. Diese neuartige Handbrause (für die Laien unter uns: ein Duschkopf, der nicht fest an der Wand montiert ist) sieht schon mal völlig anders aus, als das was im deutschen Durchschnittsbadezimmer von der Wand tröpfelt. Zwar rund wie die meisten auch, dafür aber wesentlich größer. Und in der Mitte hat er ein großes Loch.
Das Ganze ähnelt also eher einem Abtastgerät am Flughafenterminal. Das Ding ist aber deshalb so groß, weil es das Duschwasser großflächig und sanft über den Körper rieseln lässt. Rainshower heißt das Modell und verspricht ein Duscherlebnis wie ein warmer Sommerregen.
Die Zielgruppe
Zielgruppe des Produkts sind eindeutig jüngere Leute. Das macht schon die Farbgestaltung deutlich, die von apfelgrün über lila, rot, gelb bis hin zu pink geht. Das modische Produkt, das im Fachhandel zu einem Preis von rund 57 € erhältlich ist, kann auch nicht in den High End Bereich von Badezimmerliebhabern vorstoßen. Dort hängen schwere Chromteile, die mindestens das Dreifache kosten.
Der Facebook-Ansatz
Liegt also nahe, die passende Zielgruppe bei Facebook zu vermuten. Hinzukommt, dass die Facebook-Nutzer nicht nur jünger sind, sondern viele davon sind digitale Trendsetter und Meinungsbildner. Deshalb werden bei Facebook Werbekampagnen immer dann erfolgreich, wenn sie durch die Nutzer selbst weiter getragen werden.
Zusammen mit der Agentur entwickelte GROHE also einen Ansatz, der darauf zielt, diese Netzwerkeffekte zu nutzen und Mundpropaganda in Gang zu setzen.
Duschbotschafter gesucht
Auf der eigenen Facebook Seite (http://www.facebook.com/GROHE.Duschen) und mit Facebook Kleinanzeigen startete das Unternehmen die Aktion Duschbotschafter gesucht. Gesucht wurden Nutzer, die die Regenschauer-Dusche testen wollten und sich bereit erklärten, darüber mit Text oder Fotos auf ihrem Facebook Account zu berichten.
Der Erfolg der Aktion
Mehr als 6.500 Facebook-Nutzer sind dem Aktionsaufruf gefolgt und wollten die neue Brause testen. Rund 2.000 Nutzer wurden per Los ausgewählt und erhielten den Brausekopf kostenlos ins Haus gesandt.
Die Zugriffszahlen auf die Facebook-Seite von GROHE sind rasant angestiegen und tatsächlich: Beinahe jeden Tag finden sich neue Einträge, in denen die Duschbotschafter von ihrem Erlebnissen berichten.
Fazit: Die Duschbotschafter-Aktion zeigt auf vorbildliche Weise, dass sogar Unternehmen, die bislang vor allem auf Fachhandelsstrategien setzten, über Facebook einen direkten Draht zu den Endkunden beziehungsweise Nutzern ihrer Produkte aufbauen können. Das ist für solche Unternehmen geradezu lebenswichtig.
Denn nur über die Endkunden und den Dialog mit ihnen erhalten sie wertvolle Erkenntnisse über die Akzeptanz ihrer Produkte. Außerdem kassiert das Unternehmen als erster der Branche den Pionierbonus.
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Mit Geburtstagsgrüßen zum Neugeschäft: So gewinnt ein Karlsruher Malerbetrieb zahlungskräftige Kunden
Beim Karlsruher Malerunternehmen Malerdeck geht alles etwas persönlicher zu. Das Unternehmen hat sich auf eine zahlungskräftige aber kritische Kundschaft spezialisiert.
Mit seinen Werbemaßnahmen peilt es vor allem Senioren an. Das sind die Leute, die durch jahrzehntelange Erfahrung mit Handwerkern besonders kritisch und vorsichtig sind. Das sind auch die Leute, die ungern Fremde in die Wohnung lassen. Umso wichtiger ist es, durch sorgfältige Arbeit und umsichtiges Vorgehen das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.
Doch wie eröffnet man eine solche Kundenbeziehung? Wie steigt man ein? Und vor allem, wie kommt man zu Adressen möglicher Auftraggeber?
Ein wichtiger Baustein in der Strategie zur Neukundengewinnung ist das von den meisten Firmen schon fast vergessene Instrument des Direktbriefes. Ein persönlicher Brief an den möglichen Auftraggeber ist also der Einstieg. Wie aber erfährt man, welche Menschen im vom Unternehmen anvisierten Alter, nämlich 60+, sind? Und wie kommt man an deren Adressen?
Adressen aus der Tageszeitung. Die Lösung, die der Inhaber Werner Deck gefunden hat, ist simpel. Er liest ganz einfach die Tageszeitung. Dort vor allem die Geburtstags- und Familienanzeigen der Senioren. Ist er fündig geworden, sucht er nach der Adresse und sendet ebenfalls einen Geburtstagsgruß.
Freilich nicht irgendeinen. Keine vorgedruckte Karte, sondern ein handgeschriebenes Schreiben, das sich viele Senioren zu ihrem Geburtstag wünschen: ein Geburtstagsgedicht. Das hat Werner Deck nicht etwa von Wilhelm Busch, Fontane oder Schiller geklaut, sondern er hat es selbst gedichtet.
Die ungewöhnliche Aktion kommt an! Zahlreiche so angeschriebene Jubilare reagieren dann auch auf die Geburtstagsgrüße. Sie rufen beim Unternehmen an, schreiben ebenfalls einen kurzen Dankesbrief oder dichten ebenfalls gereimte Grüße zurück. Oft mit dem Bedauern, dass sie sich über die Grüße zwar sehr gefreut, aber derzeit keinen Malerauftrag zu vergeben hätten.
Übrigens: Geburtstagsgrüße sind keine Akquiseschreiben. Mit keiner Zeile erwähnt der Unternehmer, dass es ihm dabei um die Gewinnung von Aufträgen geht.
Die Gewinnung von Aufträgen steht bei dieser Aktion gar nicht im Vordergrund, sagt der Unternehmer Deck. Oft werde ich gefragt, warum ich diese gereimten Geburtstagsgrüße versende. Ich antworte dann immer, weil es mir Spaß macht anderen Menschen eine Freude zu bereiten.
Quelle: Werbepraxis aktuell
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