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Lesen Sie heute im Trend Alert

Sagen Sie Nein zu No-Nos

Liebe Leserin, lieber Leser,

in schlechten Zeiten wird nicht neu eingestellt! Basta. So verkünden es Firmenchefs im Fernsehen, so lernt es der BWL-Student an der Uni, so steht es in den Lehrbüchern. Bloß nicht die Belegschaft aufstocken! Das kostet nur Geld, das momentan niemand hat. So etwas ist ein echtes No-No, wie es neudeutsch heißt.

Mollie Culligan hat diese Regel ignoriert – und wurde belohnt. Sie stellt Handtaschen her und verkauft sie in ihrem Geschäft in Los Angeles. Drei Mitarbeiter beschäftigte die junge Designerin bisher. Vor wenigen Monaten, auf dem Höhepunkt der Krise, entschied sie sich, einen zusätzlichen Angestellten an Bord zu holen. Der Mann hatte jahrelang bei einem großen Konzern gearbeitet – und war dort gerade entlassen worden. Obwohl er ein hohes Gehalt forderte griff Culligan zu. Ein geschickter Schachzug: Der Profi senkte mit seinem Know-how die Kosten des Minibetriebs um 20 Prozent und holte binnen kurzer Zeit sein eigenes Gehalt wieder rein.

Sicher – eine kleine Episode in einem unbedeutenden Unternehmen. Doch sie zeigt: Wer den Weg in die Zukunft sucht, sollte sich nicht um die No-Nos scheren. Denn was gestern noch im Lehrbüchern stand, hat sich morgen schon längst überlebt, wie die folgenden Beiträge zeigen. 

Ein Hinweis in eigener Sache: Nach vielen interessanten Ausgaben hat Bettina Steffen die Redaktion des "Trend Alert" an uns abgegeben. Das Thema Zukunft treibt uns schon länger um: Wir schreiben seit über zehn Jahren den Fachinformationsdienst "Trendletter" und freuen uns darauf, Sie künftig auch auf diesem Weg bei Ihrem persönlichen Trendscouting unterstützen zu können.   



Beste Grüße

Ihr

Axel Gloger & Constantin Gillies,
Chefredakteure "Trend Alert"


Warum Sie Mitarbeiter nicht zu oft loben sollten

Vieles, was Chefs tun, um ihre Mitarbeiter zu motivieren, ist völlig nutzlos. Das behauptet Charles Jacobs, ein amerikanischer Berater. Seine These: Fast alle gängigen Management-Weisheiten sind Humbug und sind von der modernen Hirnforschung widerlegt worden. Die meisten Führungskräfte arbeiten mit Methoden, die nicht nur wirkungslos sind, sondern das Gegenteil von dem erreichen, was erreicht werden soll.
 
Beispiel Mitarbeiter-Jahresgespräche: Jacobs sagt: Konventionelle Rückmeldungen vom Typ „Sie haben das Umsatzziel um 20 Prozent verfehlt“ führen nicht dazu, dass der Mitarbeiter sich anstrengt, sondern erzeugen nur eine Abwehrhaltung – und meist noch schlechtere Leistungen. Außerdem sind Jahresgespräche per se unfair: Chefs geben Mitarbeitern, die sie selbst eingestellt haben, bessere Noten oder beurteilen die Leistung der Angestellten nach deren Aussehen oder Alter. 
 
Jacobs schlägt für die Zukunft ein besseres Verfahren vor: Feedback sollte es nicht nur einmal im Jahr geben, sondern spontaner und öfter. Außerdem sollten Mitarbeiter die Möglichkeiten bekommen, selbst zu erkennen, wie gut ihre Leistung ist.
 
Interessantes Detail: Jacobs hat herausgefunden, dass selbst Lob nicht immer motiviert. Denn positives Feedback wirkt wie eine Droge: Es schafft Abhängigkeit, und die Angestellten gewöhnen sich mit der Zeit daran. Damit Lob überhaupt wirkt, muss die Dosis ständig erhöht werden. Jacobs Tipp: Chefs sollten wirklich nur seltene, außergewöhnliche Leistungen belohnen.
 
Mehr dazu in Jacobs" Buch „Management Rewired“
Quelle: Trendletter  




Werbung muss in Zukunft duften

Gedanken können nicht lügen – dachte sich der dänische Marketingguru Martin Lindstrom und startete einen ungewöhnlichen Versuch: Er ließ 2.000 Freiwillige in einem Computertomografen untersuchen – mit dem Ziel, herauszufinden, was den „Kaufen-Knopf“ im Hirn aktiviert.

Die Probanden schauten sich Plakate und Werbespots an, Wissenschaftler erfassten währenddessen die Reaktion ihrer Hirne. Hier einige der interessanten Ergebnisse des Versuchs: 
  • Sex sells – aber nicht immer. Ergebnis von Lindstroms Versuchen: Nacktheit allein sorgt nur kurzfristig für Aufmerksamkeit im Hirn; die Werbebotschaft wird schnell wieder vergessen. Was von provokanten Kampagnen beim Konsumenten hängenbleibt, ist meist der Skandal um die Werbung, nicht die Werbemotive selbst.   
  • Es muss nicht immer die rosa Brille sein. Werbung darf nicht negativ sein, lautet ein ungeschriebenes Marketinggesetz. Lindstrom sagt: Werbung, die mit Ängsten der Konsumenten spielt, kann durchaus wirksam sein – vor allem in der Krise. 
  • Logos werden überschätzt. Lindstrom zeigt: Ist die Marke einmal etabliert, reicht es, wenn typische Farben und Formen in der Werbung erscheinen. Logos einzublenden ist dann überflüssig. Beispiel: Die Herzfrequenz einer Frau steigt um 20 Prozent – nur, wenn sie eine Pappschachtel erhält, die die türkise Farbe des Juweliers Tiffany hat. 
  • Werbung muss klingen und duften. Denn: Reklame ist am wirksamsten, wenn sie alle Sinne anspricht – Nase, Ohren, Fingerspitzen. Lindstroms Versuche zeigten: Probanden merken sich ein Logo deutlich besser, wenn sie eine Melodie dazu hören.
 Quelle: Trendletter, sowie Lindstroms Buch „Buyology“




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Wohltätigkeit 2.0: Mit der guten Sache gutes Geld verdienen

„Lassen Sie sich testen auf…“ Früher ging es Wohltätigkeitsorganisationen vor allem darum, die Öffentlichkeit auf die Risiken bestimmter Krankheiten hinzuweisen. Mit Plakaten, Fernsehspots oder Schleifchen am Revers wurde versucht, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Diese Zeiten sind vorbei.

Immer mehr US-Wohltätigkeitsorganisationen setzen nicht mehr auf gute Worte, sondern auf harten Dollar: Sie gehen Kooperationen mit Pharmafirmen ein und investieren direkt in die Herstellung neuer Medikamente. Beispiel: Die Leukemia & Lymphoma Society unterstützt mit 3,7 Mio. US-Dollar die Blutkrebs-Forschung der Firma Celator Pharmaceuticals.
 
Der Trend: Wohltätigkeit hat keine Berührungsängste mehr mit dem Kommerz. Mit der guten Sache darf in Zukunft gutes Geld verdient werden.

Das zeigt auch die Umweltinitiative One Block off the Grid (ein Block vom Netz) in San Francisco. Die Idee: Einwohner eines Häuserblocks schließen sich zu einem Einkaufsgemeinschaft zusammen, um Solaranlagen für ihre Dächer anzuschaffen. Das Besondere an der Bewegung: Die Initiative wird von einem profitorientierten Unternehmen organisiert. Es heißt Virgance und hat sich darauf spezialisiert, Wohltätigkeits- oder Ökokampagnen professionell aufzuziehen. Virgance kümmert sich um Logos, Werbematerial und Online-Videos, bewirbt Aktionen im Internet über ein Netzwerk von bezahlten Bloggern. Dafür erhält das Unternehmen einen Anteil an den Einnahmen.
 
Unsere Prognose: Profitorientierter Aktivismus ist auf dem Vormarsch – weil er letztendlich dem guten Zweck dient. Die professionellen Dienstleister verfügen über mehr Kapital, weil sie Geld bei Investoren einsammeln können und nicht auf Spenden angewiesen sind. Außerdem können Sie ihre Mitarbeiter besser bezahlen und kommen so auch an besseres Personal. 
 




Wenn der Mann im Mond wirbt …

Die US-Firma Moonpublicity will Werbebotschaften auf der Mondoberfläche platzieren, die von der Erde aus zu erkennen sind. Technik: Ein spezieller Roboter wird per Rakete zu dem Trabanten geschossen und schichtet dort kleine Hügel auf – die sich aus der Ferne betrachtet zu riesigen Buchstaben und Logos zusammenfügen. Die Firma sucht noch Investoren!


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