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Märkte im Wandel

Märkte im Wandel

Gesundheit: Jetzt beginnt die Ära der Gen-Medizin: So sind die Märkte im Wandel

1.000 Dollar - so viel kostet seit Kurzem der Blick in die eigene Zukunft. Für diesen Preis erstellt das amerikanische Unternehmen 23 and Me ein persönliches Gen-Profil. Ablauf: Kunden schicken ein Reagenzglas mit einer Speichelprobe per Express-Kurier in die USA (es werden Bestellungen aus aller Welt angenommen). Im Hauptquartier der Firma lesen Medizinroboter das Erbgut der Kunden vollautomatisch aus und stellen es ins Internet.

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Dieses Angebot markiert einen Wendepunkt: die Geburt der persönlichen Gen-Medizin. Dies setzt das entscheidende Zeichen, dass in dieser Branche die Märkte im Wandel sind. Entscheidend sind dabei vor allem die geringen Kosten. Zum Preis von 1.000 Dollar ist das Gen-Profiling reif für den Massenmarkt.

Zum Vergleich: Das Human Genome Project hatte noch 3 Mrd. Dollar für eine komplette Entschlüsselung benötigt (allerdings: 23 and Me scannt nicht das gesamte Genom, sondern nur jenen 1-prozentigen Ausschnitt, der von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist).
Mit den ausgelesenen Genen füttert 23 and Me einen so genannten Chancen-Kalkulator: Diese Software rechnet für den Kunden aus, um wie viel Prozent sein Risiko erhöht ist, an einem bestimmten Leiden zu erkranken. Märkte im Wandel eröffnen vielen Industriezweigen ganz neue Chancen.

Problem: Derzeit lässt sich nur das Risiko für rund 1.400 Krankheiten auf einzelne Gene zurückführen. Alle anderen Leiden werden durch Gen-Kombinationen ausgelöst. Bei der Entstehung von Diabetes etwa wirken acht Faktoren im Erbgut zusammen, deren Wechselwirkungen noch längst nicht erforscht sind. Deshalb sehen viele Mediziner den Gen-Check kritisch.

Dennoch gehen Experten davon aus, dass Gentests in wenigen Jahren ein Commodity-Produkt sind.

Märkte im Wandel: Das bedeutet eine Entwicklung für ...

  • Patienten: Sie sind in Zukunft besser über ihre eigene Gesundheit informiert. Sie kennen ihre persönlichen Risiken und können ihren Lebensstil so anpassen, dass Krankheiten vermieden werden. Dabei sind sie weniger abhängig von Ärzten. Denn: Der DNA-Scan, den Firmen wie 23 and Me anbieten, überspringt das normale Gesundheitssystem. Streng genommen handelt es sich bei der neuen Industrie um einen Ableger der Software-Branche (die Suchmaschine Google ist einer der Hauptinvestoren bei 23 and Me). Der Kunde kann seine Ergebnisse selbst im Netz in Augenschein nehmen. Er kann seine Daten mit denen seiner Familie vergleichen, sofern sich die Verwandtschaft auch schon hat scannen lassen. Patienten können in einer Studiendatenbank Risiken recherchieren. All das sind Software-Anwendungen, die ohne einen Arzt auskommen. Wenn Märkte im Wandel sind, ergeben sich zahlreiche neue Möglichkeiten für Patienten.
  • Pharmabranche: Das Versprechen der persönlichen Medizin könnte bald wahr werden. Wenn der Patient seine DNA dem Arzt oder Apotheker per Internet zugänglich macht, lassen sich Präparate und Therapien leichter an den jeweiligen Stoffwechsel anpassen.
  • Ärzte: Künftig kommen Patienten in die Praxis und stellen Fragen wie: "Ich habe eine Veränderung auf rs1447295, bekomme ich jetzt Prostatakrebs?" Darauf werden sich niedergelassene Ärzte vorbereiten müssen. Derzeit verfügt nicht einmal ein Prozent der Mediziner über die nötige Zusatzausbildung, um in diesem Fall Rat zu geben. Wahrscheinliches Szenario:
    Es werden sich Kliniken etablieren, die sich auf Risikoanalyse und vorbeugende Maßnahmen spezialisieren, denn wo Märkte im Wandel sind, ist Spezialisierung von Nöten.
  • Forschung: 23 and Me will seine Rechner für die Wissenschaft öffnen - sofern die Kunden zustimmen. Damit entstünde eine Gen-Datenbank mit großem Wert für die Forschung.
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Trendletter-Einschätzung - Märkte im Wandel:

Der Markt für persönliche Gen-Medizin kommt. Absehbar ist, dass selbst eine komplette genetische Analyse bald für weniger als 1.000 Euro zu haben sein wird. Allerdings besteht ein Risiko dafür, dass die Branche wieder in sich zusammenfällt.
Der Grund: Die Fähigkeit, das Erbgut auszulesen, ist da, aber die Deutung der Daten ist noch zu ungenau. Das frustriert die Kunden - und provoziert Ablehnung. Ein ähnliches Problem gab es mit Ganzkörper-Tomografien: Ende der Neunzigerjahre wurden diese Scans in den USA für Selbstzahler angeboten, zum Beispiel in Einkaufszentren. Das Versprechen: Krebsgeschwüre lassen sich auf den Bildern frühzeitig erkennen. Mittlerweile ist die Industrie kollabiert, weil sich die Befunde der Scans zu häufig als falscher Alarm erwiesen.

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Wolfgang Fr. Müller, Bad Salzungen

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